Max's Blog

Der Mensch als Zootier

Der Mensch als Zootier braucht Gesellschaft, eine sicheres Gehege, genug Auslauf und ausreichend Futter. Wie kann er nach vollkommener Selbstverwirklichung streben, wenn ihm grundlegende Dinge verwehrt bleiben? Sogar Liebe und Freundschaft würden jederzeit gegen Sicherheit und Schlaf eingetauscht, wären letztere bedroht. Gleichwohl verkennen wir unsere eigenen Bedürfnisse, wenn wir dem Schlaf, der Nahrung und der Natur entsagen. Warum muten wir uns zu, was wir keinem Tier antäten? Wem es möglich ist, sollte auf sich Acht geben. Auch kann es sein, dass die Rangfolge der Bedürfnisse sich in den letzten 200 Jahren verändert hat. Nach dieser Quelle (Bedürfnispyramide 2.0) kommen die Individual/ (oder Ego-)bedürfnisse vor den sozialen Bedürfnissen. Mit Blick auf unsere tierische Natur und meine eigenen Beobachtungen, zweifle ich stark an dieser Annahme. Kaum etwas ist mir so wichtig, wie Begegnungen mit Freunden und geliebten Menschen. Gerade wem sie zeitweise verwehrt bleiben, wird sie danach als unentbehrlich begreifen.  

Spielen

Wenn wir spielen, dann sind wir gegenwärtig. Es geht nur um’s Spiel. Genauso ist der Ausgang völlig unerheblich. Meistens stehen weder das eigene Leben, noch Geld stehen auf dem Spiel. Ob wir spielen, ist uns selbst überlassen. Niemand zwingt uns dazu, es ist freiwillig. Ein Leben ganz ohne spielen ist denkbar; wenngleich ziemlich traurig. Denn spielen macht Spaß. Wir freuen uns über kleine Erfolge. Generell ist der Sinn vom Spielen, dass wir uns freuen, gegenwärtig sind und etwas völlig zwangloses, nur zum eigenen Vergnügen tun.  

Unter Beobachtung

In einem psychologischen Experiment wollten die Forscher:innen herausfinden, ob ein unterbewusstes Gefühl „unter Beobachtung zu stehen“ ausreicht, damit wir „besser“ handeln. Genauer gesagt ging es um das Bezahlen eines selbstgewählten Betrages in einer Kaffeeküche. Dort wurden, wöchentlich wechselnd, Bilder mit starrenden Augen oder Blumen aufgehängt. In den „Augen-Wochen“ zahlten die Proband:innen deutlich mehr (bis zu 3x so viel), als in den „Blumen-Wochen“. Diesen Effekt führt Daniel Kahneman auf die symbolische Mahnung des „unter Beobachtung stehens“ zurück. Demnach veranlassten die Augen-Bilder die Proband:innen unterbewusst dazu, sich besser zu verhalten, also mehr zu bezahlen (vgl. Kahneman, Schnelles denken, S.79). Genau diesen Effekt will ich mit Austin Kleon’s „Ideenstammbaum“ kombinieren. Dabei steht seine Arbeit im Zentrum. Kleon’s Ideengeber sind unter Anderem Andy Warhol und Henry David Thoreau (der zum Beispiel auch Corita Kent inspirierte). So hoffe ich, dass diese Ideengeber meine Arbeit „beobachten“ und mich zu besserem Handeln veranlassen.  

Bewunderung

„Die Bewunderung, die zwei Menschen einander entgegenbringen, ist das stabilste Stützsystem, das stärkste Fundament, das eine Beziehung überhaupt haben kann.“ – Nathaniel Branden Wir alle bewundern Dinge an anderen Menschen; ganz besonders an geliebten Menschen. Zwei Thesen zum Konzept „Bewunderung“ oder dem Gefühlsmix der Bewunderung auslöst: Wir können unsere Bewunderung für andere Menschen nur offen ausdrücken, wenn wir uns der Dinge, für die uns Andere bewundern bewusst sind (oder aber als ersten Schritt der Tatsache, dass wir bewundernswert sind). Bewunderung kann sich entwickeln, verlagern und zeitweise ausbleiben. Wie bei allen positiven Gefühlen, entsteht bei häufigem erleben eine Aufwärtsspirale (genauso entsteht bei häufigem Erleben negativer Gefühle eine Abwärtsspirale (vgl. Fredrickson – Die Macht der guten Gefühle)). Wenn wir unser Leben (oder einzelne Teilbereiche) häufig als bewundernswert empfinden, dann wird uns der Gefühlsmix der Bewunderung zunehmend vertrauter und wir empfinden ihn auch (wieder) anderen Menschen gegenüber.  

Ich-Sicht

Meine Sicht auf mein zukünftiges Selbst bestimmt meine Handlungen in der Gegenwart. Wenn ich eine besonders erstrebenswerte Version von mir selbst in die Zukunft projezieren kann, dann handele ich gegenwärtig ihr entsprechend. Also ist es erlaubt, großartige Traumgemälde zu malen, insofern ich in der Gegenwart lebe und handele. Ohne das Wissen der heutigen Psychologie formulierte Henry David Thoreau im 19. Jahrhundert: „Wenn du auch Luftschlösser baust, braucht deine Arbeit nicht umsonst sein; die Schlösser gehören in die Luft, du aber errichtest die Fundamente darunter.“ Wichtig ist mir vor Allem, dass meine Träume meine eigenen Wünsche und Ziele darstellen, nicht die, anderer Leute. Wenn diese Verwechslungen ausgeschlossen sind, ich also genau dieses Traumschloss errichten will, dann gilt es anzufangen. Damit beginnt die eigentliche Herausforderung. Hier ging es mir aber lediglich um den unschätzbaren Wert von individuellen, erstrebenswerten Träumen.  

Klein aber oho

Von kleinen Dingen erwarten wir erst einmal weniger, als von großen Dingen. Aber genau deshalb können sie uns überraschen. Diese spezielle Eigenheit haben Designer:innen für sich entdeckt und in ihre Produkte einfließen lassen. Z.B. lässt  der Spiegel, auf der Rückseite des IPhone’s, das Gerät dünner wirken, wodurch unsere Erwartungen sinken. Folglich werden wir eher positiv überrascht. John Maeda drückt es in „Laws of Simplicity“ so aus: „Any design that incorporates lightness and thinness conveys the impression of being smaller, lesser and humbler. Pity gives way to respect when much more value is delivered than originally expected.“  

36 Fragen für intensive Beziehungen

Kann die Beziehung zwischen zwei Menschen (eigentlich Fremden) durch persönliche Fragen intensiviert werden? Diese Frage stellten sich Forscher:innen, um Arthur Aron. „Sage deinem Partner, was du an ihm magst. Sei ehrlich und sage auch Dinge, die du einer Person, die du zum ersten Mal triffst, vielleicht sonst nicht sagen würdest.“ Meine Freundin Elli und ich, haben es im Selbstversuch ausprobiert. Grundsätzlich fanden wir beide die Fragen sehr befruchtend. Sie führten unser Gespräch in ganz persönliche Höhen und Tiefen. Und obwohl wir gestern etwas müde und abgelenkt waren, wurde es mit zunehmender Dauer immer intimer. Auch an den anderen Tagen unseres Gesprächs, bildeten die Fragen eine Art Portal, dass uns in eine andere Kommunikationswelt brachte. „Der Tod welches Familienmitgliedes wäre für dich am schlimmsten? Warum?“ Wie diese Fragerunde zum Beispiel mit entfernteren Freund:innen funktioniert, steht auf einem anderen Blatt. Wahrscheinlich wäre ihnen die Sensibilität der einzelnen Themen bewusst. Dies könnte zu gegenseitiger Rücksichtnahme führen und damit Freundschaftsbande (weiter) stärken. Aber auch generell lässt der Austausch über die peinlichsten Momente, die größten Erfolge und die schönsten Momente, Freund:innen gemeinsam wachsen. „Jeder von euch macht 3 wahre “Wir”-Aussagen. Zum Beispiel: “Wir sind beide in diesen Raum und fühlen uns…” Den kompletten Fragenkatalog findest du hier.  

Wie kleine Gesten unsere Beziehungen stärken

Im Volksmund heißt es: „Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft.“ Auch dazu, zählen alle Arten von freundlichen Gesten. Gerade romantische (aber auch andere) Beziehungen können fragil sein. Deswegen sind kleine Angebote oder Aufmerksamkeiten so wichtig (außer wir wollen die Beziehung beenden, dann sollten wir unaufmerksam sein). Das Besondere ist, welch bezaubernde Wirkung unsere Gesten, bei sehr kleinem Aufwand, haben können. In der Wirtschaft spricht man vom ROI („Return of investment“). Das, was wir zurückbekommen, kann bei freundlichen Gesten leicht ein Vielfaches vom „Investment“ betragen. Und das Beste ist: Die erzeugte Freude und Dankbarkeit verbreitet sich wie eine Welle. Alle, die ein Hauch der kühlen Gischt abbekommen, fühlen sich belebt.  

Kontakt zu jedem Alter

Bei einer psychologischen Studie fanden Forscher:innen heraus, dass Menschen, die soziale Kontakte mit allen Altersgruppen aufwiesen, vermehrt positive Gefühle erfahren. Dieses Phänomen, habe ich sowohl bei angeregten Gesprächen mit älteren Menschen, als auch beim Spielen mit Kindern erlebt. Gerade die Großeltern oder die freundliche alte Dame an der Kasse, freuen sich oft über einen kurzen Plausch. Zudem hegen wir meist enge Beziehungen zu Menschen mittleren Alters (18-65), z.B. durch die Arbeit oder die Ausbildung. Wenn aber in der eigenen Familie niemand Kinder hat, ist der Kontakt zu ihnen oft eingeschränkt. Andere Formen der Kontaktaufnahme sind zudem problematisch. Wer aber das Glück hat, von Menschen jeden Alters umgeben zu sein, kann sich glücklich schätzen (und wird sich tatsächlich besser fühlen).