Max's Blog

10 Gründe, warum ich einem kreativen Hobby nachgehe

Ich teile Dinge, die mir (und vielleicht auch anderen) Freude bereiten. Spielen! Mit Wörtern, Materialien und Ideen. Ich höre meiner Umgebung, der Natur und meinen Mitmenschen besser zu. Ich erforsche meine Gedanken und finde heraus, was ich zu sagen habe (immer wieder auf’s Neue). Man kann selbst etwas schaffen, das neu und interessant ist (oder irgendetwas dazwischen – wie mein „Asia Hung“-Gedicht). Manchmal berühren die Texte oder Ideen Menschen und lassen sie fühlen. Wenn ich etwas weitergebe, dann lerne ich mehr. Indem wir andere einladen, mit uns zu staunen, staunen (und lernen) wir selbst mehr. 8. Meine Bedürfnisse werden klarer, weil ich mir besser zuhöre. 9. Ich habe meistens Spaß, während ich schreibe, bastele und überlege. 10. … etwas, dass ich erst rückblickend (vielleicht in einigen Jahren) als guten Grund erkennen werde.  

Raum für Neues

Ich liebe es, Bücher anzufangen und nicht zu beenden. Natürlich sind mir fantastisch geschriebene Bücher lieber, aber mittlerweile schätze ich den Freiraum, den das frühe Beenden von Büchern schafft. Plötzlich bleibt wieder Zeit für Themen, die mich wirklich interessieren. Das weitläufige Gebiet der Neugierde blüht in allen Farben und bereitet Freude. Wie vertrocknet diese Einöde vorher vor sich hinvegetierte. Nimm ein anderes Buch! Lege das jetzige weg! Die Entscheidung „ich lese nicht weiter“ kommt einer Befreiung der Leser:in gleich. Langeweile und fehlendes Interesse verdorren und hinterlassen wunderbar fruchtbaren Boden. Wie aus dichtem Nebel und Dickicht, kommt die Lust am Lesen zurück. Und mit ihr: Neugierde, Freude, Interesse, Begeisterung.  

Praktische Bücher

In „Wie man ein Buch liest“ von Adler & van Doren unterscheiden die Autor:innen zwischen Büchern, die zeigen, wie man etwas macht (praktische Bücher) und solchen, die zeigen, was passiert (theoretische Bücher). In praktischen Büchern finden wir Regeln, Strategien und Tipps, während theoretische Bücher Beschreibungen von Sachverhalten bereithalten. Nun sind Regeln und Strategien mit Sicherheit wichtig um ein Ziel zu erreichen. Zuerst sollte die Leser:in sich aber klar machen, ob sie die gleichen Dinge anstrebt, die die Autor:in erreichen will. Sind ihre eigenen Lebenspläne und Wünsche mit den Zielen des Buches vereinbar? Zum Beispiel würde sich ein zölibatärer Mönch niemals wirklich für das Buch „Romantische Beziehungen – führen und pflegen“ interessieren. Und wenn er doch lesen würde, dann nicht mit dem Ziel praktisch zu handeln, so wie es die Autor:in vorgesehen hatte, sondern lediglich zur Unterhaltung. Das Buch „Wie man ein Buch liest“ soll Menschen zu besseren Leser:innen machen, indem sie mehr vom Inhalt eines Buches verstehen. Genau aus diesem Grund entschied ich mich für das Buch. Mein Wunsch selbst ein besserer Leser zu werden, deckt sich mit den Ambitionen der Autor:innen. Wenn Leser:in und Autor:in am gleichen Strang ziehen, dann können sie gemeinsam einiges bewegen.  

5 Gedanken aus Thoreau’s „Walden“

… und wie sie mich verändert haben. (Teil 2) 1. „Nicht eine Minute herrscht Waffenstillstand zwischen Tugend und Laster. Nur die Güte ist eine sichere Kapitalsanlage. 1. Wir werden immer wieder gemäß unseren Überzeugungen und entgegen unseren Überzeugungen handeln. – Deswegen strebe ich an, meinen Handlungen gegenüber, so gütig wie ein Vater zu seinen Kindern zu sein. 2. „Nach einer stillen Winternacht erwachte ich mit dem Gefühl, es sei mir eine Frage gestellt worden, die ich im Schlaf vergeblich zu beantworten gesucht hatte. Eine Frage nach dem Was und Wie, dem Wann & Wo. Aber da sah die Natur, in der alle Geschöpfe leben, mit heiterem, zufriedenem Gesicht zu meinem Fenster herein, und auf ihren Lippen lag keine Frage. Ich erwachte zur Natur und zum Tageslicht, und die Frage war beantwortet. 2. Wer sich warm und tröstend von der Natur umarmen lässt, wie von einer Mutter, der findet keinen Platz zum Grübeln. – Wenn ich die Natur beobachte und zulassen, dass sie mich berührt, dann wird es mir besser gehen. 3. „Warum verbringen wir denn unsere Tage damit, Versäumtes nachzuholen und das unsere Pflicht zu nennen? Wir wandeln noch im Winter, wenn schon längst Frühling ist. 3. Dinge die in der Vergangenheit liegen, sind vergangen. Einzig das Licht des neuen Tages schenkt uns die Gelegenheit, etwas Neues zu schaffen. – Ich konzentriere mich mehr auf das was heute anliegt und versuche den Ballast von gestern abzuwerfen. 4. „Wenn du auch Luftschlösser baust, braucht deine Arbeit nicht umsonst zu sein; die Schlösser gehören in die Luft, du aber errichtest die Fundamente darunter.“ 4. Wir können und sollten uns wunderbare Träume ausmalen; dann aber gilt es, tagtäglich kleine Schritte in diese Richtung zu gehen. – Ich erinnere mich an den Wert des Träumens. Und gleichzeitig daran, dass die Erfüllung einer Grundlage bedarf, die in täglicher Arbeit besteht. 5. „Wer nicht mit seinen Gefährten Schritt hält, hört vielleicht einen anderen Trommler. Lasst ihn nur nach der Musik marschieren, die er hört, welchen Takt sie haben mag und wie fern sie ist. Es ist nicht wichtig, dass ein Mensch so schnell reift wie ein Apfelbaum oder eine Eiche. Soll er seinen Frühling in Sommer verwandeln?“ 5. Jede Person hat ihr eigenes Tempo und selbiges ist genau richtig für sie. – Ich beruhige mich mit dieser Idee, gerade wenn negative Gedanken auftreten.  

5 Gedanken aus Thoreau’s „Walden“

… und wie sie mich verändert haben. (Teil 1) 1. „Ich würde niemals so viel von mir selbst reden, gäbe es irgendeinen Menschen, der mir ebenso gut bekannt wäre.“ 1. Wir sind die Person, mit der wir am meisten Zeit verbringen. Deswegen kennen wir uns selbst sehr gut. Allein wir wissen, was gut für uns ist und was wir brauchen, um zu wachsen und zu gedeihen. 2. „Wer nicht glaubt, dass jeder Tag eine frühere, heiligere Stunde hat, die heller vom Morgenrot durchglüht ist, als die, die er schon entweihte, der ist am Leben verzweifelt, und sein Pfad führt abwärts. […] Alles Große geschieht früh und im Morgenlicht.“ 2. Morgens habe ich die Möglichkeit ohne äußere Einflüsse meine Gedanken sichtbar zu machen. Hier ist meine Seele noch unbeschwert und fliegt frei umher. 3. „Schenkten wir nur dem Aufmerksamkeit, was unumgänglich ist und ein Recht auf Existenz hat, Musik und Dichtung würden durch die Straßen schallen. Sind wir weise & bedächtig, so erkennen wir, dass nur Großes, Würdiges ewige und unbedingte Dauer hat, kleine Freuden und kleine Sorgen aber sind nur Schatten der Wirklichkeit.“ 3. „Kleine Sorgen und kleine Freuden sind nur Schatten der Wirklichkeit.“ Was wirklich zählt ist viel größer. Musik, Dichtung und andere Künste sind das, was unser Leben aufblühen lässt und einzigartig macht. 4. „Man muss Bücher ebenso gesammelt und wohlbedacht lesen, wie sie geschrieben wurden.“ 4. Dieses Zitat hat mich an etwas erinnert, das mir schon lange wichtig ist, was ich aber oft vergesse: Um die prächtigen Gedankengebäude von manchen Büchern zu verstehen, muss ich besser lesen können. Dies hat mich zum Buch „Wie man ein Buch liest“ von Mortimer & van Doren geführt. 5. „Selten habe ich einen Mitmenschen von so vielversprechenden Anlagen getroffen. Alles, was er sagte, war ganz einfach, aufrichtig und wahr. Und er war wahrlich in dem Maße erhöht, als er sich selbst erniedrigte.“ 5. Was für mich die wahre Schönheit von Worten ausmacht, ist Wahrheit, Aufrichtigkeit und Einfachheit. Deswegen will ich jede Ausschmückung und Verschnörkelung meiner Worte umgehen und stattdessen meine Worte so einfach und klar wie möglich wählen.  

9 Ideen aus „Show Your Work“, die mein Denken verändert haben

Das Buch „Show Your Work“ von Austin Kleon ist ein New York Times Bestseller und gerade auch wegen der treffenden Grafiken und der Kürze, ein Meisterwerk. Damit ihr euch das Buch jetzt gleich im Bücherladen um die Ecke kaufen wollt, habe ich 9 Ideen zusammengefasst, die mir besonders im Kopf geblieben sind. Das Buch habe ich Ende 2020 gelesen. Daraufhin hat es mich ermutigt, diesen Blog zu starten und eine Instagram-Seite für den WaschmaxX einzurichten. 1. Wie sich gute Ideen entwickeln Jeder kennt das Klischee vom einsamen Genie, das im dunklen Zimmer über dem Schreibtisch brütet. Mit diesem Bild räumt Kleon auf, indem er „Vom Genius zum Szenius“ postuliert. Damit meint er, dass gute Ideen, Einfälle und Korrekturen immer vom Kollektiv angereichert werden. Deswegen ist eine eigene Szene so wichtig (& in Zeiten des Internets einfach zugänglich). 2. Finde heraus, was du zu sagen hast „Ich startete meinen Blog nicht, weil ich etwas zu sagen hatte, sondern um herauszufinden, was ich zu sagen habe.“ – Austin Kleon 3. Teile deine Arbeit Jeder postet bestimmt auch mal seinen Kaffee oder eine Pizza (was auch okay sein kann – siehe Punkt 4) online. Trotzdem sollte der Fokus auf dem Teilen der eigenen Arbeit liegen. Gerade weil nur eine begrenzte Anzahl der Leute ihre Arbeit online teilt, kann sie für Andere interessant sein. 4. Lade Leute ein, mit dir zu staunen Ob es ein blühender Obstbaum, ein harmonischer Vers aus einem Gedicht oder eine riesige, knusprige Pizza ist. Zeige Menschen, worüber du staunst und lade sie ein, es dir gleich zu tun. 5. Finde deine Knuckleballer Die Knuckleballer im Baseball sind eine besondere & sehr seltene Gruppe von Pitchern (Werfern). Während der Ball bei einem normalen Wurf rotiert, schaffen sie es, ihn komplett ohne Rotation zu werfen. Dadurch bekommt der Ball eine eigenartige Flugkurve, die für den Gegner nur schwer auszumachen ist. Da die Knuckleballer aber eine solch seltene Spezies sind, tun sie sich zusammen. Sie tauschen sich aus und geben sich Tipps. Wenn man seine Arbeit online teilt, werden Menschen auf einen zukommen, die sich für die Ideen interessieren und sich beteiligen. Diese solle man sich gut merken, da dies die eigenen Knuckleballer sein könnten. 6. Nützlich oder interessant? Die eigenen Beiträge sollten, mindestens für eine Person, entweder nützlich oder interessant sein. 7. Werde nicht zum Spam Bei diesem Punkt zeigt Kleon eine wunderbare Abbildung. Auf der linken Seite steht die Sammler:in. Diese Personen machen ihre Arbeit, aber niemand bekommt sie zu Gesicht. Auf der anderen Seite die Spammer:in, die fast ihr ganzes Leben online teilt. Die Menschen in der Mitte finden das richtige Maß. Auch durch die nächste Idee: 8. Teile täglich Kleinigkeiten Dies zeigt den Leuten, woran man jetzt gerade arbeitet. Das kann viel interessanter sein, als die (Er)Zeugnisse, die bereits einige Jahre alt sind.  Das ist einer der Gründe, warum ich täglich blogge. 9. 90 % von Allem ist Mist Das nimmt zum Einen den Druck: Nicht jede Idee muss sehr gut sein. Dennoch brauchen wir viele Ideen, um die eine Gute von den neun Schlechten zu unterscheiden.  

Bücher, die ich zuletzt einfach zugeklappt und weggelegt habe (, auch wenn ich bei einigen zumindest bis zur Hälfte sehr angetan war).

Wie man mehr lesen kann

Bücher, die ich zuletzt einfach zugeklappt und weggelegt habe (, auch wenn ich bei einigen zumindest bis zur Hälfte sehr angetan war). Alle, die regelmäßig lesen, stellten sich schon mal die Frage, wie sie mehr lesen können. In diesem Beitrag möchte ich mich vor Allem zwei Ansätzen zuwenden. Zum Einem dem Speedreading: Es leuchtet ein, dass man mit erhöhter Lesegeschwindigkeit mehr lesen kann. Aber ist dies dem eigentlichen Ziel des Lesens, nämlich mehr und besser zu verstehen, zuträglich? Außerdem will ich beleuchten, wie das vorzeitige Beenden von Büchern uns zu Viel-Lesern macht. Warum Speedreading nur eingeschränkt funktioniert Eine häufig empfohlene Methode ist die des Speedreadings. Dabei wird der Leser:in vermittelt, wie sie möglichst viele Worte pro Minute lesen kann, ohne dass das Verständnis verloren geht. Meist wird bei diesen Schnell-Lese-Kursen jedoch ein wichtiger Aspekt des Lesens ausgelassen, den Adler & van Doren in ihrem Klassiker „How to read a book“ (dt.: Wie man ein Buch liest) erörtern. Zum Einen muss jeder Text mit individueller Geschwindigkeit gelesen werden. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die Klassifizierung von Büchern und Texten in verschiedene Genres. Erst damit erhält die Leser:in ein genaues Bild über die Leseanforderung und kann ihre Lesegeschwindigkeit entsprechend anpassen. Außerdem wird in besagten Kursen meist nur die Erhöhung der Lesegeschwindigkeit trainiert und gelehrt; dabei bleibt eine Vermittlung von langsameren Lesegeschwindigkeiten meist aus. Diese ist elementar wichtig, für das Durcharbeiten und Verstehen schwieriger Texte. Da schnelles Lesen für einige Texte sehr hilfreich sein kann, sollten die Lesenden einen Schnell-Lese-Kurs durchaus in Betracht ziehen; am Besten jedoch einen, der unterschiedliche Lesegeschwindigkeiten trainiert, um das große Leseziel zu erreichen: Mehr verstehen und besser verstehen. 2 von 3 Bücher ungelesen weglegen Diese Idee klingt kontraintuitiv. Wie sollte das Weglegen von Büchern uns zu Viel-Lesern machen? Wenn wir Bücher beginnen, dann sehen wir uns manchmal fast gezwungen, diese auch auszulesen. Das trägt der, oft richtigen, Annahme Rechnung, dass wir beenden sollten was wir angefangen haben. Nun ist es aber so, dass uns viele Bücher schlichtweg langweilen. Die Ideen oder das Thema, welches wir zuvor als so nützlich erwogen hatten, bringt uns nur wenig Ertrag. Dann ist es Zeit, das Buch einfach wegzulegen. Auch wenn das sehr schwierig sein kann, es ist der beste Weg. Einfach zuklappen und ein neues Buch anfangen. Anzahl ungelesener Bücher reduzieren Um die Häufigkeit dieser Praxis zu verringern, kann die Leser:in sich einen Überblick vor dem eigentlichen Lesen verschaffen. Dabei kann das „prüfende Lesen“, welches Adler & van Doren als die zweite Lesestufe bezeichnen, helfen. „Wir möchten aber schon einmal darauf hinweisen, dass die meisten Leser:innen, selbst die guten Leser:innen, sich des Wertes des prüfenden Lesens nicht bewusst sind. Sie stürzen sich in den Text und ackern das Buch dann Seite für Seite durch, ohne auch nur das Inhaltsverzeichnis eines Blickes gewürdigt zu haben. Die allgemeinen Informationen die ein Inhaltsverzeichnis vorab liefert, müssen sie sich während ihrer Lektüre, während sie sich auf das Textverständnis konzentrieren, zusammenreimen. Das erschwert ihre Aufgabe.“ Genauer empfehlen Adler & van Doren die vorhergehende Lektüre folgender Teile: Inhaltsverzeichnis Vorwort Klappentext Register Überblick über mögliche, zentrale Kapitel beim Durchblättern mal einen, mal zwei oder drei Abschnitte, auf der Suche nach Hauptgedanken, lesen Gerade die „Einfach-zuklappen-und-weglegen“-Strategie hat mein Lesepensum in den letzten Tagen enorm erhöht. Außerdem experimentiere ich mit Formen des Schnell-Lesens, indem ich zeitweise mit dem Finger über die Zeilen fahre. Davon vorher das Inhaltsverzeichnis oder den Buchrücken zu lesen, habe ich schon oft gehört. Deswegen werde ich die nächsten Wochen mit dem „prüfenden Lesen“ von Adler & van Doren experimentieren, um damit mehr zu lesen, aber vor Allem um mehr und besser zu verstehen.            

Der Wert von Tagebüchern & Biographien

Bei Thoreaus‘ Tagebucheinträgen in „Walden“, war ich erstaunt, wie angenehm diese zu lesen sind. Seine unverfälschten Gedanken und Eindrücke sind ein Geschenk. Dabei teile ich längst nicht alle Ansichten und doch stellt sich beim Lesen ein Gefühl der Verbundenheit ein. Dazu kommt Thoreaus‘ Humor: „An den Pyramiden ist nichts so erstaunlich, als dass sich so viele Menschen hergaben, ein Grabmal für einen ehrgeizigen Hanswurst zu errichten.“ – Thoreau, Walden, S.55 Zugegeben: Schon etwas zynisch. Und trotzdem schafft er damit Nähe. Aufgrund dieser sichtbaren Gedanken und der Verbundenheit mit der Autor:in, finde ich Tagebücher und Biographien so wertvoll.

Sommerbücher & Statusbücher

In seinem Buch „Anleitung zum Alleinsein“ schreibt Jonathan Franzen im Essay „Mr. Schwierig“ von schwierigen und leicht verständlichen Büchern. Der Anlass war eine LeserIn, die die umständliche Wortwahl kritisierte. Sie fragte ihn, für wen er eigentlich schreibe und karikierte Franzen’s Publikum so: „[…] die Elite von New York, die Elite, die schön, dünn, magersüchtig, neurotisch und überfeinert ist, die nicht raucht, alle drei Jahre eine Abtreibung hat, alles desinfiziert, in Lofts oder Penthäusern wohnt – die überlegene Spezies der Menschheit eben, die Harper’s und den New Yorker liest.“ Damit drückte sie ihm und seinem Publikum einen Stempel auf. Lesende die nur lesen, um sich hervorzutun. Solche, die gar nicht am Vergnügen des Lesens interessiert sind. Aber wer liest ein Buch nur, um sich damit zu profilieren? Wenn ich mich durch ein wirklich dickes, schwieriges Buch (Statusbücher) „kämpfe“, dann nur, weil es sich für mich lohnt. Die komplexen Gedanken und die Tiefe der Charaktere berühren und verändern mich. Genauso gut sind kurze, leicht verständliche Bücher (Sommerbücher). Mit ihnen gehe ich auf Reisen, wie in „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“ oder blicke in einen Ausschnitt der Gesellschaft, wie in „Die kalte Schulter“ von Markus Werner. Passend zum niedrigeren Anspruch der „Sommerbücher“ schrieb Mark Twain einmal folgende Warnung: „Wer versucht, in dieser Erzählung ein Motiv zu finden, wird gerichtlich belangt; wer versucht, eine Moral darin zu finden, wird des Landes verwiesen; wer versucht, eine Handlung darin zu finden, wird erschossen.“ Welche Bücher wir lesen und für gut befinden, ist so subjektiv, wie die Form & Farbe unserer Kleidung.

Kreatives schaffen

Wer etwas schreiben, fotografieren oder malen will, wird von anderen Werken beeinflusst. Dabei prägt das, was wir lesen, unsere Ideen. Austin Kleon sagt dazu: „If you want to be a writer, you have to be a reader first.“ Unser Schreiben formt unsere Ideen und unsere Ideen formen unser Denken. Deswegen ist es so wichtig, was und wie viel wir konsumieren. Zig Ziglar fasste es so zusammen: „Your input determines your outlook. Your outlook determines your output, and your output determines your future.” Jetzt liegt es an uns, wie wir unseren „Input“ gestalten. Zwei Faktoren der Input- / Output-Formel sind dabei grundsätzlich zu unterscheiden: Die Qualität („Ist das Buch interessant? Kann ich etwas davon stehlen?“) und die Quantität („Wie lange will ich lesen und wie lange schreiben?“). Dabei hängen die beiden Punkte  mit Sicherheit auch zusammen. Ein gemeinsames Element der Quantität und der Qualität ist die Spaßkonstante „f“ (geklaut von Ali Abdaal‘s Productivity Equation). Sie ist mit der Qualität („Wie gerne lese ich dieses Buch?“ / „Wie gerne schreibe ich über dieses Thema?“) verknüpft und hat bedeutenden Einfluss auf die Lese- und Schreibzeit. (Beim Schreiben dieses Absatzes ist „f“ bei mir sehr groß, wodurch die Zeit an mir vorbei fliegt.) Um es kurz so fassen: Wenn man mag was man konsumiert, wird man mögen, was man schafft.