Max's Blog

Witze schreiben

Alle die meinem Blog und Newsletter folgen, werden bemerkt haben, dass ich mich viel mit Comedy beschäftige. Hier sind einige Dinge, die von Seinfeld, Mark Normand und Ricky Gervais über ihren Schreibprozess gehört habe: Am Anfang steht die Frage „Was finde ich witzig“? Jerry Seinfeld trennt seinen Schreibprozess in zwei unterschiedliche Phasen: In der ersten Phase erlaubt er sich frei zu spielen und bringt seine Ideen intuitiv und ohne Filter auf’s Papier. Dabei behandelt er sich wie ein Baby, indem er alles tun darf und sich dabei noch ermutigt. In der zweiten Phase nimmt er die Rolle eines strengen Kontrolleurs ein. Jetzt prüft er jede Zeile genau. Dabei streicht er Wörter, verändert Silben und ist hart und ehrlich zu sich selbst. Mark Normand führt sich seine witzigen Ideen immer wieder vor Augen. Irgendwann fühlt sich sein Gehirn schrecklich, weil alles so unvollständig ist. Dadurch ist es angespornt, den „Code zu knacken“, um den Witz zu vervollständigen. Ricky Gervais hebt Ehrlichkeit und Wahrheit für gute Geschichten hervor (Make the ordinary extraordinary).

Unruhe

Manchmal bin ich so unruhig, dass ich kaum schreiben kann. Dann verläuft fast jede Idee im Sand. Also lässt man den Plan los. Die Erwartungen sind sowieso oft ein bisschen anders, als das Leben. Nur etwas anderes sollte man finden, um die eigene Energie sinnvoll zu nutzen. Oft bastele ich dann Collagen oder andere Dinge. Viel wichtiger ist mir aber die Herangehensweise. Ich halte es mit Thoreau: „Nicht eine Minute herrscht Waffenstillstand zwischen Tugend und Laster. Nur die Güte ist eine sichere Kapitalanlage.“  

2 Regeln

Nachdem ich Corita Kent’s „10 Rules for students“ (siehe Beitragsbild) in mein Tagebuch übertragen habe, sind mir zwei andere Regeln eingefallen: Mache jeden Tag ein kleines Bisschen. Die Tage summieren sich. Tue dich mit Menschen zusammen, die auf einer ähnlichen Reise sind. Obwohl ich zwei zwei wesentliche Ideen von ihr teile („Betrache alles als ein Experiment“ und „Nächste Woche gibt es wieder neue Regeln“), sind das zwei Regeln, die mich schon länger begleiten.  

Unter Beobachtung

In einem psychologischen Experiment wollten die Forscher:innen herausfinden, ob ein unterbewusstes Gefühl „unter Beobachtung zu stehen“ ausreicht, damit wir „besser“ handeln. Genauer gesagt ging es um das Bezahlen eines selbstgewählten Betrages in einer Kaffeeküche. Dort wurden, wöchentlich wechselnd, Bilder mit starrenden Augen oder Blumen aufgehängt. In den „Augen-Wochen“ zahlten die Proband:innen deutlich mehr (bis zu 3x so viel), als in den „Blumen-Wochen“. Diesen Effekt führt Daniel Kahneman auf die symbolische Mahnung des „unter Beobachtung stehens“ zurück. Demnach veranlassten die Augen-Bilder die Proband:innen unterbewusst dazu, sich besser zu verhalten, also mehr zu bezahlen (vgl. Kahneman, Schnelles denken, S.79). Genau diesen Effekt will ich mit Austin Kleon’s „Ideenstammbaum“ kombinieren. Dabei steht seine Arbeit im Zentrum. Kleon’s Ideengeber sind unter Anderem Andy Warhol und Henry David Thoreau (der zum Beispiel auch Corita Kent inspirierte). So hoffe ich, dass diese Ideengeber meine Arbeit „beobachten“ und mich zu besserem Handeln veranlassen.  

Hier und jetzt

„Nach einer stillen Winternacht erwachte ich mit dem Gefühl, es sei mir eine Frage gestellt worden, die ich im Schlaf vergeblich zu beantworten gesucht hatte. Eine Frage nach dem Was und Wie, dem Wann & Wo. Aber da sah die Natur, in der alle Geschöpfe leben, mit heiterem, zufriedenem Gesicht zu meinem Fenster herein, und auf ihren Lippen lag keine Frage. Ich erwachte zur Natur und zum Tageslicht, und die Frage war beantwortet.“ – Henry D. Thoreau Die Natur bringt uns zurück in den gegenwärtigen Augenblick. Lediglich im „Hier und jetzt“ können wir etwas tun. Was wir tun und wie wir es tun, ist alles. Alles ist dieser Moment. Gestern, heute und nächste Woche ist eine Illusion. Wir mögen in der Lage sein, uns eine Zukunft vorzustellen. Aber sie ist Fiktion. Dieser Moment ist die einzige Form der Realität. Wenn ich lese ist der Moment gegenwärtig. Während ich begreife kommen ständig neue Momente dazu. Einzig „jetzt“ ist real. Es gibt nur einen realen Ort: „Hier“. Wenn ich überlege, was ich tun werde, dann lebe ich die Illusion. Nur im „Hier und jetzt“ ist alles real. Das Leben in der Illusion ist beruhigend. Doch irgendwann verursacht es Leid. „Warum verbringen wir denn unsere Tage damit, Versäumtes nachzuholen und das unsere Pflicht zu nennen? Wir wandeln noch im Winter, wenn schon längst Frühling ist.“ – Henry D. Thoreau Das Leben in der Illusion lässt die wirkliche Realität fremd werden. Nichts an der Zukunft & Vergangenheit ist real. Alles passiert in unendlich vielen, kleinen Momenten, von denen nur einer wirklich existiert: Das „Hier und jetzt“.  

Schreibe, was du magst

Diese Idee führt mich zu meinen persönlichen Lieblingstexten. Manchmal wollen wir zu Allem, was wir wissen, etwas schreiben. Dabei fehlt mir das letzte Quäntchen Freude, was ich bei anderen Themen deutlich spüre. Dieses kommt uns selbst zu Gute, indem wir über die Dinge nachdenken, die wir mögen. Und auch die Leser:innen spüren die Empfindungen der Autor:in beim Schreiben. Wodurch dieser Transfer zustande kommt, weiß ich nicht. Es ist, als füllte sich ein kleiner Bach zunehmend mit klarem Wasser, während er rauschend durch bunte Talwiesen fließt. Während verkrampftes Schreiben, bei dem lediglich Fakten präsentiert werden, den Fluss austrocknet, wächst er bei freudigem Schreiben auf prächtige Größe.  

Klein aber oho

Von kleinen Dingen erwarten wir erst einmal weniger, als von großen Dingen. Aber genau deshalb können sie uns überraschen. Diese spezielle Eigenheit haben Designer:innen für sich entdeckt und in ihre Produkte einfließen lassen. Z.B. lässt  der Spiegel, auf der Rückseite des IPhone’s, das Gerät dünner wirken, wodurch unsere Erwartungen sinken. Folglich werden wir eher positiv überrascht. John Maeda drückt es in „Laws of Simplicity“ so aus: „Any design that incorporates lightness and thinness conveys the impression of being smaller, lesser and humbler. Pity gives way to respect when much more value is delivered than originally expected.“  

5 Gedanken aus Thoreau’s „Walden“

… und wie sie mich verändert haben. (Teil 2) 1. „Nicht eine Minute herrscht Waffenstillstand zwischen Tugend und Laster. Nur die Güte ist eine sichere Kapitalsanlage. 1. Wir werden immer wieder gemäß unseren Überzeugungen und entgegen unseren Überzeugungen handeln. – Deswegen strebe ich an, meinen Handlungen gegenüber, so gütig wie ein Vater zu seinen Kindern zu sein. 2. „Nach einer stillen Winternacht erwachte ich mit dem Gefühl, es sei mir eine Frage gestellt worden, die ich im Schlaf vergeblich zu beantworten gesucht hatte. Eine Frage nach dem Was und Wie, dem Wann & Wo. Aber da sah die Natur, in der alle Geschöpfe leben, mit heiterem, zufriedenem Gesicht zu meinem Fenster herein, und auf ihren Lippen lag keine Frage. Ich erwachte zur Natur und zum Tageslicht, und die Frage war beantwortet. 2. Wer sich warm und tröstend von der Natur umarmen lässt, wie von einer Mutter, der findet keinen Platz zum Grübeln. – Wenn ich die Natur beobachte und zulassen, dass sie mich berührt, dann wird es mir besser gehen. 3. „Warum verbringen wir denn unsere Tage damit, Versäumtes nachzuholen und das unsere Pflicht zu nennen? Wir wandeln noch im Winter, wenn schon längst Frühling ist. 3. Dinge die in der Vergangenheit liegen, sind vergangen. Einzig das Licht des neuen Tages schenkt uns die Gelegenheit, etwas Neues zu schaffen. – Ich konzentriere mich mehr auf das was heute anliegt und versuche den Ballast von gestern abzuwerfen. 4. „Wenn du auch Luftschlösser baust, braucht deine Arbeit nicht umsonst zu sein; die Schlösser gehören in die Luft, du aber errichtest die Fundamente darunter.“ 4. Wir können und sollten uns wunderbare Träume ausmalen; dann aber gilt es, tagtäglich kleine Schritte in diese Richtung zu gehen. – Ich erinnere mich an den Wert des Träumens. Und gleichzeitig daran, dass die Erfüllung einer Grundlage bedarf, die in täglicher Arbeit besteht. 5. „Wer nicht mit seinen Gefährten Schritt hält, hört vielleicht einen anderen Trommler. Lasst ihn nur nach der Musik marschieren, die er hört, welchen Takt sie haben mag und wie fern sie ist. Es ist nicht wichtig, dass ein Mensch so schnell reift wie ein Apfelbaum oder eine Eiche. Soll er seinen Frühling in Sommer verwandeln?“ 5. Jede Person hat ihr eigenes Tempo und selbiges ist genau richtig für sie. – Ich beruhige mich mit dieser Idee, gerade wenn negative Gedanken auftreten.  

5 Gedanken aus Thoreau’s „Walden“

… und wie sie mich verändert haben. (Teil 1) 1. „Ich würde niemals so viel von mir selbst reden, gäbe es irgendeinen Menschen, der mir ebenso gut bekannt wäre.“ 1. Wir sind die Person, mit der wir am meisten Zeit verbringen. Deswegen kennen wir uns selbst sehr gut. Allein wir wissen, was gut für uns ist und was wir brauchen, um zu wachsen und zu gedeihen. 2. „Wer nicht glaubt, dass jeder Tag eine frühere, heiligere Stunde hat, die heller vom Morgenrot durchglüht ist, als die, die er schon entweihte, der ist am Leben verzweifelt, und sein Pfad führt abwärts. […] Alles Große geschieht früh und im Morgenlicht.“ 2. Morgens habe ich die Möglichkeit ohne äußere Einflüsse meine Gedanken sichtbar zu machen. Hier ist meine Seele noch unbeschwert und fliegt frei umher. 3. „Schenkten wir nur dem Aufmerksamkeit, was unumgänglich ist und ein Recht auf Existenz hat, Musik und Dichtung würden durch die Straßen schallen. Sind wir weise & bedächtig, so erkennen wir, dass nur Großes, Würdiges ewige und unbedingte Dauer hat, kleine Freuden und kleine Sorgen aber sind nur Schatten der Wirklichkeit.“ 3. „Kleine Sorgen und kleine Freuden sind nur Schatten der Wirklichkeit.“ Was wirklich zählt ist viel größer. Musik, Dichtung und andere Künste sind das, was unser Leben aufblühen lässt und einzigartig macht. 4. „Man muss Bücher ebenso gesammelt und wohlbedacht lesen, wie sie geschrieben wurden.“ 4. Dieses Zitat hat mich an etwas erinnert, das mir schon lange wichtig ist, was ich aber oft vergesse: Um die prächtigen Gedankengebäude von manchen Büchern zu verstehen, muss ich besser lesen können. Dies hat mich zum Buch „Wie man ein Buch liest“ von Mortimer & van Doren geführt. 5. „Selten habe ich einen Mitmenschen von so vielversprechenden Anlagen getroffen. Alles, was er sagte, war ganz einfach, aufrichtig und wahr. Und er war wahrlich in dem Maße erhöht, als er sich selbst erniedrigte.“ 5. Was für mich die wahre Schönheit von Worten ausmacht, ist Wahrheit, Aufrichtigkeit und Einfachheit. Deswegen will ich jede Ausschmückung und Verschnörkelung meiner Worte umgehen und stattdessen meine Worte so einfach und klar wie möglich wählen.