Religion: Red Bull

Wenn Religion Opium für’s Volk ist, dann ist Koffein die Religion, der gemeinen Person.
Alle kommen sie zusammen,
Arme, Reiche, Dilettanten,
ohne sich zu zanken.
Die Sinne sind geschärft, das Herz schlägt wie wild,
zwei Tassen Espresso, lieber stark als mild.
Woran können wir glauben? Was gibt uns noch Kraft?
Die Wärme der Bohne, auf sie ist Verlass.
Trüb sind die Tage,
das Dunkel der Nacht,
welch‘ eine Plage,
die in mir erwacht.
D’rum schütt‘ ich ihn runter,
ich will den Effekt,
den Booster, den Blaster,
egal wie er schmeckt.
Fokussiert und geladen, fahr nur auf Sicht,
ein göttlicher Funke, in mein’m Gesicht.
Der strahlende Felix, steigt vom Himmel hinab,
schließ dich an, die Zeit wird knapp.
Nehme ’nen Schluck, damit ich klar seh‘
prickelnder Genuss, die Macht von RB.
Woran kann ich glauben?
Wovon bin ich überzeugt?
Der Gedanke des Fortschritts, ist in mir gekeimt;
zwei Menschen ganz nah, ihre Körper vereint.


 

Mörder, Macht und Angst

Wovor haben wir eigentlich Angst?

Wie wahrscheinlich ist es, dass wir in unser Wohnzimmer gehen und da sitzt ein Mörder? Ein richtiger Mörder, wie man sich den vorstellt.

Also der hat eine Träne unter’m Auge tätowiert, einen Anker auf dem Oberarm, eine Augenklappe und guckt richtig grimmig.
Der ist halb Mörder, halb Pirat.
Mit mehreren funkelnden Goldzähnen im Mund und diagonal zwei Holzstöcke als Arm-und Beinprothese. Er sieht aus, wie ein riesiges, fleischgewordenes Mikado-Spiel.
Also schon eine Person, bei der man schnell die Straßenseite wechselt, wenn man sie draußen trifft.

Was genau macht uns da Angst?
Natürlich haben wir Angst vor dem Tod, weil wir ja weiterleben wollen (im Normalfall).
Aber ich glaube, wir haben auch Angst davor, unsere Macht auf kleinster Ebene zu verlieren; nämlich die Macht, uns selbst am Leben zu erhalten.

Macht ist für mich auch immer ein bisschen ein beängstigendes Konzept.
Macht und machen, das ist ja allein vom Wortstamm schon eng verknüpft. Dabei handelt es sich um die altgotisch-slawische Form des Wortes „magan“, die wiederum im althochdeutschen auftaucht und bla bla bla.Da steckt ein Potential dahinter, etwas zu tun. Das heißt, unsere Macht ist die Größe unseres Handlungspotential’s.

Klar ist: Wer Macht hat, kann damit krasse Sachen machen. Das veranlasst Menschen wirklich dazu, etwas zu verändern. Denn noch nie hat jemand gesagt: „Hey, ich bin so mächtig, ich will einfach auf der Couch liegen, Essen bestellen und meine Macht genießen.“
Also sind mächtige Menschen entweder voll am Start und wandelnde Vorbilder für positive Veränderungen (Merkel, die Obama’s) oder sie missbrauchen ihre Macht und beuten andere Menschen aus. Natürlich gibt’s noch etwas dazwischen, aber das liegt nicht im Rahmen dieses Textes (und ist nebenbei auch viel zu diplomatisch, um wirklich interessant zu sein).

Aber das finde ich schon etwas beängstigend, wie unkontrolliert sich dieses Handlungspotential ausbreiten kann. Als bräuchte die elektrisierende Wirkung der Macht einen Ausweg.
Dann kann sie entweder als mächtiger Blitz in ein Haus einschlagen, Menschen verletzen oder ihnen Leid zufügen, was eine schreckliche Sache wäre.
Oder diese elektrische Macht könnte in Energie umgewandelt werden, die Menschen zu Gute kommt und ihr eigenes Handlungspotential erweitert.

Egal ob die Angst vor holzbeinigen Mörder-Piraten berechtigt ist oder nicht, wir alle haben die Macht etwas zu verändern – sowohl zum Positiven, als auch zum Negativen.
Mir wäre es lieber, wir akzeptieren unsere Angst, aber bleiben mutig und sind uns im Klaren darüber, dass die Macht der Anderen unsere eigene Macht gar nicht einschränkt. Im Gegenteil, sie vergrößert unser gemeinsames Handlungspotential.

Macht ist gut, wenn wir uns zusammentun und dadurch neue, großartige Dinge erschaffen.


Witze schreiben

Alle die meinem Blog und Newsletter folgen, werden bemerkt haben, dass ich mich viel mit Comedy beschäftige.

Hier sind einige Dinge, die von Seinfeld, Mark Normand und Ricky Gervais über ihren Schreibprozess gehört habe:

  1. Am Anfang steht die Frage „Was finde ich witzig“?
  2. Jerry Seinfeld trennt seinen Schreibprozess in zwei unterschiedliche Phasen:
    In der ersten Phase erlaubt er sich frei zu spielen und bringt seine Ideen intuitiv und ohne Filter auf’s Papier. Dabei behandelt er sich wie ein Baby, indem er alles tun darf und sich dabei noch ermutigt.
    In der zweiten Phase nimmt er die Rolle eines strengen Kontrolleurs ein. Jetzt prüft er jede Zeile genau. Dabei streicht er Wörter, verändert Silben und ist hart und ehrlich zu sich selbst.
  3. Mark Normand führt sich seine witzigen Ideen immer wieder vor Augen. Irgendwann fühlt sich sein Gehirn schrecklich, weil alles so unvollständig ist. Dadurch ist es angespornt, den „Code zu knacken“, um den Witz zu vervollständigen.
  4. Ricky Gervais hebt Ehrlichkeit und Wahrheit für gute Geschichten hervor (Make the ordinary extraordinary).

Unruhe

Manchmal bin ich so unruhig, dass ich kaum schreiben kann.
Dann verläuft fast jede Idee im Sand.
Also lässt man den Plan los. Die Erwartungen sind sowieso oft ein bisschen anders, als das Leben.
Nur etwas anderes sollte man finden, um die eigene Energie sinnvoll zu nutzen.
Oft bastele ich dann Collagen oder andere Dinge.
Viel wichtiger ist mir aber die Herangehensweise.
Ich halte es mit Thoreau:

„Nicht eine Minute herrscht Waffenstillstand zwischen Tugend und Laster. Nur die Güte ist eine sichere Kapitalanlage.“


 

2 Regeln

Nachdem ich Corita Kent’s „10 Rules for students“ (siehe Beitragsbild) in mein Tagebuch übertragen habe, sind mir zwei andere Regeln eingefallen:

  1. Mache jeden Tag ein kleines Bisschen. Die Tage summieren sich.
  2. Tue dich mit Menschen zusammen, die auf einer ähnlichen Reise sind.

Obwohl ich zwei zwei wesentliche Ideen von ihr teile („Betrache alles als ein Experiment“ und „Nächste Woche gibt es wieder neue Regeln“), sind das zwei Regeln, die mich schon länger begleiten.


 

Der Mensch als Zootier

Der Mensch als Zootier braucht Gesellschaft, eine sicheres Gehege, genug Auslauf und ausreichend Futter.

Wie kann er nach vollkommener Selbstverwirklichung streben, wenn ihm grundlegende Dinge verwehrt bleiben? Sogar Liebe und Freundschaft würden jederzeit gegen Sicherheit und Schlaf eingetauscht, wären letztere bedroht.

Gleichwohl verkennen wir unsere eigenen Bedürfnisse, wenn wir dem Schlaf, der Nahrung und der Natur entsagen.
Warum muten wir uns zu, was wir keinem Tier antäten?
Wem es möglich ist, sollte auf sich Acht geben.

Auch kann es sein, dass die Rangfolge der Bedürfnisse sich in den letzten 200 Jahren verändert hat. Nach dieser Quelle (Bedürfnispyramide 2.0) kommen die Individual/ (oder Ego-)bedürfnisse vor den sozialen Bedürfnissen.

Mit Blick auf unsere tierische Natur und meine eigenen Beobachtungen, zweifle ich stark an dieser Annahme.

Kaum etwas ist mir so wichtig, wie Begegnungen mit Freunden und geliebten Menschen.
Gerade wem sie zeitweise verwehrt bleiben, wird sie danach als unentbehrlich begreifen.


 

Humor

Tagebuch Mind-Map: Humor

 

5 Dinge, die ich gern mit 18 gewusst hätte

  1. Als Menschen verändern wir uns ständig. Persönlichkeit ist das Resultat unseres Verhaltens, über viele Monate hinweg.

    „Human beings are works in progress, that mistakenly think they’re finished.“ – Daniel Gilbert

  2. Der einzige Tag, an dem wir wirklich etwas ausrichten können, ist heute.
  3. Alle Personen und Dinge, die uns wichtig sind und uns vermutlich noch in 10-15 Jahren umgeben, verdienen höchste Beachtung und Pflege.
  4. Die Menschen beschäftigen sich die meiste Zeit mit sich selbst. Es ist egal, was andere von einem denken, weil ihre Meinung von einer Person lediglich der Ordnung in ihrem Gehirn dient. Außerdem ist es unmöglich, alle Wünsche, Gefühle und Erfahrungen von jemandem nachzuvollziehen. Damit kann jede Person einzig sinnvoll für sich selbst entscheiden.
  5. In der romantischen Liebe dehnen wir unser Eigeninteresse aus. Ein anderer Mensch wird so wichtig, dass er unser Wohlbefinden beeinflusst. Deswegen liegt uns das Wohl dieser Person, ebenso am Herzen.

Experimentieren

Jim experimentiert mit dem Leben.

Er stellt Annahmen auf.
Was ist, wenn er falsch liegt?

Oft missglücken seine Experimente, obwohl er sie penibel durchführt.
Unabhängig vom Ausgang, beobachtet und notiert Jim alle Gegebenheiten.

An Algebra ist er krachend gescheitert.
Sein Kopf denkt in analytischen Fragen langsam und unkonzentriert, wie ein Spaziergänger im Wald.

Sowohl bei den Experimenten, als auch bei der Beobachtung und der Erklärung kann Jim auf enge Freunde zählen.
Sie erkennen Einzelheiten, die ihm verborgen blieben und spüren, was er spürt.

Neben ihrer Fähigkeit zu beobachten, stehen Erfahrungen, durch gescheiterte Versuche und passende Erklärungen.

Trotzdem trifft Jim falsche Entscheidungen. Er kommt von einer Idee ab oder macht Fehler.
Seine Selbst-Beobachtung wird von Wut und Scham getrübt. Er ist Schuld.

Später trifft Jim auf seinen Freund.

Die Anwesenheit Dan’s beruhigt ihn.
Er braucht seine Nähe und seine Wärme.

Jim’s Bedenken, er könnte dem Gemüt Dan’s zur Last fallen, lösen sich auf.
Ihm tritt Fürsorge entgegen.

Durch eigene Erfahrungen, weiß Dan, was jetzt hilft.
Trotzdem ist er nie berechnend.
Sein aufrichtiges Mitgefühl, gleicht einer beständigen Umarmung.

Damit schaffen sie die Grundlage, um zu beobachten.
Ganz ohne Wut und ohne Scham.


 

Spielen

Wenn wir spielen, dann sind wir gegenwärtig. Es geht nur um’s Spiel.

Genauso ist der Ausgang völlig unerheblich. Meistens stehen weder das eigene Leben, noch Geld stehen auf dem Spiel.

Ob wir spielen, ist uns selbst überlassen. Niemand zwingt uns dazu, es ist freiwillig. Ein Leben ganz ohne spielen ist denkbar; wenngleich ziemlich traurig.

Denn spielen macht Spaß. Wir freuen uns über kleine Erfolge.

Generell ist der Sinn vom Spielen, dass wir uns freuen, gegenwärtig sind und etwas völlig zwangloses, nur zum eigenen Vergnügen tun.


 

Unter Beobachtung

In einem psychologischen Experiment wollten die Forscher:innen herausfinden, ob ein unterbewusstes Gefühl „unter Beobachtung zu stehen“ ausreicht, damit wir „besser“ handeln. Genauer gesagt ging es um das Bezahlen eines selbstgewählten Betrages in einer Kaffeeküche.

Dort wurden, wöchentlich wechselnd, Bilder mit starrenden Augen oder Blumen aufgehängt. In den „Augen-Wochen“ zahlten die Proband:innen deutlich mehr (bis zu 3x so viel), als in den „Blumen-Wochen“. Diesen Effekt führt Daniel Kahneman auf die symbolische Mahnung des „unter Beobachtung stehens“ zurück. Demnach veranlassten die Augen-Bilder die Proband:innen unterbewusst dazu, sich besser zu verhalten, also mehr zu bezahlen (vgl. Kahneman, Schnelles denken, S.79).

Genau diesen Effekt will ich mit Austin Kleon’s „Ideenstammbaum“ kombinieren. Dabei steht seine Arbeit im Zentrum. Kleon’s Ideengeber sind unter Anderem Andy Warhol und Henry David Thoreau (der zum Beispiel auch Corita Kent inspirierte).

So hoffe ich, dass diese Ideengeber meine Arbeit „beobachten“ und mich zu besserem Handeln veranlassen.


 

Bewunderung

„Die Bewunderung, die zwei Menschen einander entgegenbringen, ist das stabilste Stützsystem, das stärkste Fundament, das eine Beziehung überhaupt haben kann.“ – Nathaniel Branden

Wir alle bewundern Dinge an anderen Menschen; ganz besonders an geliebten Menschen.
Zwei Thesen zum Konzept „Bewunderung“ oder dem Gefühlsmix der Bewunderung auslöst:

  1. Wir können unsere Bewunderung für andere Menschen nur offen ausdrücken, wenn wir uns der Dinge, für die uns Andere bewundern bewusst sind (oder aber als ersten Schritt der Tatsache, dass wir bewundernswert sind).
  2. Bewunderung kann sich entwickeln, verlagern und zeitweise ausbleiben.

Wie bei allen positiven Gefühlen, entsteht bei häufigem erleben eine Aufwärtsspirale (genauso entsteht bei häufigem Erleben negativer Gefühle eine Abwärtsspirale (vgl. Fredrickson – Die Macht der guten Gefühle)).
Wenn wir unser Leben (oder einzelne Teilbereiche) häufig als bewundernswert empfinden, dann wird uns der Gefühlsmix der Bewunderung zunehmend vertrauter und wir empfinden ihn auch (wieder) anderen Menschen gegenüber.


 

Ich war in Rom

Kulinarisch

Besonders ist mir Pasta „Cacio e pepe“ als klassich-römisches Gericht in Erinnerung geblieben. Dazu denke ich pausenlos an das Tiramisu aus dem „Tonnarello“ in Rom. Wie in meinem Newsletter berichtet bestellt man, anders als ich, am Besten „[Katschio ä pepe]“. Der „[Kakio]“ ist nämlich der Teufel. Zurück zum Tonnarello: In diesem beliebten Restaurant im Stadtteil „Trastevere“ haben wir hervorragend gegessen. Besonders empfehlenswert finde ich, die oben genannten Gerichte, Pasta mit Pinienkern-Pesto und einem weiteren römischen Gericht: Gebackenen Artischocken. Außerdem haben wir im Studentenviertel “San Lorenzo“ in der „Osteria Pesce e Fritto e baccala“ sehr gut gegessen und wurden freundlich bedient (genauso wie im Tonnarello).

Ein klassisches römisches Frühstück ist eher süß, z.B. ein Hörnchen, mit leckerem Espresso (in Italien: „Caffe“). Generell ist die Espresso-Kultur sehr spannend. In einer der zahlreichen Kaffee-Bars trinkt man den „Caffe“ im Stehen und zahlt dabei maximal einen Euro.

Sehenswürdigkeiten

Mein persönliches Highlight war der „Trevi-Brunnen“. Um große Touristenströme zu umgehen, haben wir ihn abends (nach 12 Uhr) besucht. Dort übte er auf mich eine beruhigende Stimmung aus, die augenscheinlich auch die anderen Besucher:innen spürten (aber wirklich nur nachts (!), tagsüber bleibt diese aufgrund der vielen Gäste komplett aus).

Außerdem gibt es an vielen Orten kleine Autos, mit Pedalen und Elektroantrieb. Die Miete kostet zwischen 10-15€ pro Stunde. Gerade an heißeren Tagen ist die Fahrt im Schatten eine willkommene Alternative und macht sogar Spaß. Zuletzt war ich in den „vatikanischen Museen“, die eine unglaubliche Anzahl an Exponaten ausstellen (z.B. ägyptische Statuen, römisch-griechische Funde, aber auch zeitgenössische Kunst). Um alles wirklich zu betrachten bräuchte man vermutlich drei Tage. Vielleicht kann ein Guide, der eigene Schwerpunkte legt eine interessante Tour anbieten.

Fazit

Ich liebe italienisches Essen jetzt noch mehr. Dazu macht es großen Spaß Rom zu erkunden (z.B. mit einem E-Scooter), weil man sich fühlt wie in einem riesigen, sehr lebendigen Architektur-Museum.

 

Allen die selbst nach Rom reisen, kann ich die „Reisen reisen“-Podcast Folge „Rom“ empfehlen.


 

Hier und jetzt

„Nach einer stillen Winternacht erwachte ich mit dem Gefühl, es sei mir eine Frage gestellt worden, die ich im Schlaf vergeblich zu beantworten gesucht hatte. Eine Frage nach dem Was und Wie, dem Wann & Wo. Aber da sah die Natur, in der alle Geschöpfe leben, mit heiterem, zufriedenem Gesicht zu meinem Fenster herein, und auf ihren Lippen lag keine Frage. Ich erwachte zur Natur und zum Tageslicht, und die Frage war beantwortet.“ – Henry D. Thoreau

Die Natur bringt uns zurück in den gegenwärtigen Augenblick. Lediglich im „Hier und jetzt“ können wir etwas tun. Was wir tun und wie wir es tun, ist alles. Alles ist dieser Moment. Gestern, heute und nächste Woche ist eine Illusion. Wir mögen in der Lage sein, uns eine Zukunft vorzustellen. Aber sie ist Fiktion. Dieser Moment ist die einzige Form der Realität. Wenn ich lese ist der Moment gegenwärtig. Während ich begreife kommen ständig neue Momente dazu. Einzig „jetzt“ ist real. Es gibt nur einen realen Ort: „Hier“.
Wenn ich überlege, was ich tun werde, dann lebe ich die Illusion.
Nur im „Hier und jetzt“ ist alles real.
Das Leben in der Illusion ist beruhigend. Doch irgendwann verursacht es Leid.

„Warum verbringen wir denn unsere Tage damit, Versäumtes nachzuholen und das unsere Pflicht zu nennen? Wir wandeln noch im Winter, wenn schon längst Frühling ist.“ – Henry D. Thoreau

Das Leben in der Illusion lässt die wirkliche Realität fremd werden. Nichts an der Zukunft & Vergangenheit ist real. Alles passiert in unendlich vielen, kleinen Momenten, von denen nur einer wirklich existiert: Das „Hier und jetzt“.


 

10 Gründe, warum ich einem kreativen Hobby nachgehe

  1. Ich teile Dinge, die mir (und vielleicht auch anderen) Freude bereiten.
  2. Spielen! Mit Wörtern, Materialien und Ideen.
  3. Ich höre meiner Umgebung, der Natur und meinen Mitmenschen besser zu.
  4. Ich erforsche meine Gedanken und finde heraus, was ich zu sagen habe (immer wieder auf’s Neue).
  5. Man kann selbst etwas schaffen, das neu und interessant ist (oder irgendetwas dazwischen – wie mein „Asia Hung“-Gedicht).
  6. Manchmal berühren die Texte oder Ideen Menschen und lassen sie fühlen.
  7. Wenn ich etwas weitergebe, dann lerne ich mehr. Indem wir andere einladen, mit uns zu staunen, staunen (und lernen) wir selbst mehr.
    https://austinkleon.com/2020/10/29/when-i-share-i-learn/

    8. Meine Bedürfnisse werden klarer, weil ich mir besser zuhöre.
    9. Ich habe meistens Spaß, während ich schreibe, bastele und überlege.
    10. … etwas, dass ich erst rückblickend (vielleicht in einigen Jahren) als guten Grund erkennen werde.


     

Rechne damit, nicht voranzukommen

Setz dich hin und mache deine Arbeit.
Stehe nicht auf. Reche damit, nicht voranzukommen. Es kann dauern, bis du etwas gemacht hast, was du magst.

An einigen Tagen wir es dir leichter fallen. Du wirst auf strukturierte Ideen kommen und zufrieden mit deiner Arbeit sein.
An anderen Tagen wirst du länger überlegen müssen und dich ablenken.

Wie auch immer deine Arbeit lief, unterbreche sie am Ende des Tages, komme am nächsten Tag wieder, setze dich hin und rechne damit, nicht voranzukommen.


 

Ich-Sicht

Meine Sicht auf mein zukünftiges Selbst bestimmt meine Handlungen in der Gegenwart. Wenn ich eine besonders erstrebenswerte Version von mir selbst in die Zukunft projezieren kann, dann handele ich gegenwärtig ihr entsprechend. Also ist es erlaubt, großartige Traumgemälde zu malen, insofern ich in der Gegenwart lebe und handele.

Ohne das Wissen der heutigen Psychologie formulierte Henry David Thoreau im 19. Jahrhundert:

„Wenn du auch Luftschlösser baust, braucht deine Arbeit nicht umsonst sein; die Schlösser gehören in die Luft, du aber errichtest die Fundamente darunter.“

Wichtig ist mir vor Allem, dass meine Träume meine eigenen Wünsche und Ziele darstellen, nicht die, anderer Leute. Wenn diese Verwechslungen ausgeschlossen sind, ich also genau dieses Traumschloss errichten will, dann gilt es anzufangen.

Damit beginnt die eigentliche Herausforderung. Hier ging es mir aber lediglich um den unschätzbaren Wert von individuellen, erstrebenswerten Träumen.


 

Schreibe, was du magst

Diese Idee führt mich zu meinen persönlichen Lieblingstexten.
Manchmal wollen wir zu Allem, was wir wissen, etwas schreiben. Dabei fehlt mir das letzte Quäntchen Freude, was ich bei anderen Themen deutlich spüre. Dieses kommt uns selbst zu Gute, indem wir über die Dinge nachdenken, die wir mögen. Und auch die Leser:innen spüren die Empfindungen der Autor:in beim Schreiben.
Wodurch dieser Transfer zustande kommt, weiß ich nicht. Es ist, als füllte sich ein kleiner Bach zunehmend mit klarem Wasser, während er rauschend durch bunte Talwiesen fließt.
Während verkrampftes Schreiben, bei dem lediglich Fakten präsentiert werden, den Fluss austrocknet, wächst er bei freudigem Schreiben auf prächtige Größe.


 

Raum für Neues

Ich liebe es, Bücher anzufangen und nicht zu beenden.
Natürlich sind mir fantastisch geschriebene Bücher lieber, aber mittlerweile schätze ich den Freiraum, den das frühe Beenden von Büchern schafft. Plötzlich bleibt wieder Zeit für Themen, die mich wirklich interessieren.

Wie dieses tolle Buch von John Maeda, in dem er seine Regeln für mehr Einfachheit darlegt. (für einen Überblick: lawsofsimplicity.com)

Das weitläufige Gebiet der Neugierde blüht in allen Farben und bereitet Freude. Wie vertrocknet diese Einöde vorher vor sich hinvegetierte.
Nimm ein anderes Buch! Lege das jetzige weg!
Die Entscheidung „ich lese nicht weiter“ kommt einer Befreiung der Leser:in gleich. Langeweile und fehlendes Interesse verdorren und hinterlassen wunderbar fruchtbaren Boden.
Wie aus dichtem Nebel und Dickicht, kommt die Lust am Lesen zurück. Und mit ihr: Neugierde, Freude, Interesse, Begeisterung.


 

Praktische Bücher

In „Wie man ein Buch liest“ von Adler & van Doren unterscheiden die Autor:innen zwischen Büchern, die zeigen, wie man etwas macht (praktische Bücher) und solchen, die zeigen, was passiert (theoretische Bücher).
In praktischen Büchern finden wir Regeln, Strategien und Tipps, während theoretische Bücher Beschreibungen von Sachverhalten bereithalten.

Nun sind Regeln und Strategien mit Sicherheit wichtig um ein Ziel zu erreichen. Zuerst sollte die Leser:in sich aber klar machen, ob sie die gleichen Dinge anstrebt, die die Autor:in erreichen will. Sind ihre eigenen Lebenspläne und Wünsche mit den Zielen des Buches vereinbar? Zum Beispiel würde sich ein zölibatärer Mönch niemals wirklich für das Buch „Romantische Beziehungen – führen und pflegen“ interessieren. Und wenn er doch lesen würde, dann nicht mit dem Ziel praktisch zu handeln, so wie es die Autor:in vorgesehen hatte, sondern lediglich zur Unterhaltung.

Das Buch „Wie man ein Buch liest“ soll Menschen zu besseren Leser:innen machen, indem sie mehr vom Inhalt eines Buches verstehen. Genau aus diesem Grund entschied ich mich für das Buch. Mein Wunsch selbst ein besserer Leser zu werden, deckt sich mit den Ambitionen der Autor:innen. Wenn Leser:in und Autor:in am gleichen Strang ziehen, dann können sie gemeinsam einiges bewegen.


 

Denk‘ nach

Während der Schulzeit und bis Anfang 20 sehen viele Biografien noch ähnlich aus.
Musikschule, ähnlicher Freundeskreis, Abitur und Ausbildung.

Mit Mitte 20 und später trennen sich viele Lebenswege. Manche heiraten, andere gehen abenteuerhungrig auf Weltreise und wieder andere leben ein wildes Student:innenleben.

Genauso unterschiedlich sind auch die kleinen und großen Enscheidungen, die das Fundament für den kommenden Tag oder das nächste Jahrzehnt legen. Wer also kann einen Menschen in solchen Fragen beraten?

Nochmal: Es ist ausgeschlossen, dass zwei Leben einander gleichen, wie eineiige Zwillinge.
Einzig wir selbst kennen unsere Träume, Begehrlichkeiten und Interessen; für niemanden ist unser Leben so wichtig (außer vielleicht für unsere Eltern).

Deswegen dürfen und müssen wir über Lebensentscheidungen nachdenken.
Dürfen – weil wohlhabende Menschen aus demokratischen Ländern theoretisch aus tausenden reizvollen Möglichkeiten auswählen können.
Müssen – weil das Treffen einer Entscheidung immer auch bedeutet, eine interessante Alternative auszuschlagen.

Sicher können wir eine klare Aktion umgehen und abwarten.
Damit entscheiden wir uns schließlich aber auch, nämlich den Status Quo aufrecht zu erhalten.


 

Klein aber oho

Von kleinen Dingen erwarten wir erst einmal weniger, als von großen Dingen. Aber genau deshalb können sie uns überraschen.
Diese spezielle Eigenheit haben Designer:innen für sich entdeckt und in ihre Produkte einfließen lassen.

Z.B. lässt  der Spiegel, auf der Rückseite des IPhone’s, das Gerät dünner wirken, wodurch unsere Erwartungen sinken.
Folglich werden wir eher positiv überrascht.

John Maeda drückt es in „Laws of Simplicity“ so aus:

„Any design that incorporates lightness and thinness conveys the impression of being smaller, lesser and humbler. Pity gives way to respect when much more value is delivered than originally expected.“


 

Ist Sport ein Beruf?

Grundsätzlich wird bei den meisten Wissensarbeiten nichts produziert, mit dem man zu einem späteren Zeitpunkt etwas Anderes kaufen könnte. Nach Adam Smith handelt es sich deshalb um „unproduktive Arbeit“. Bei der „produktiven Arbeit“ hingegen, wird etwas hergestellt, mit dem später etwas Anderes erworben werden könnte. So zum Beispiel bei der Holzfertigung oder im Kunststoffgewerbe.

Trotzdem ist „unproduktive Arbeit“ wichtig, weil sie, gemäß Smith’s Arbeitsdefinition, „Rohstoffen einen Wert hinzufügt.“

Dieser besteht im Sport darin, Menschen Erfahrungen zu ermöglichen und ihnen Freude an Bewegung vorzuleben.

Ich finde, diese Arbeitsdefinition auf eine Art sehr ermutigend.
„Einer Sache Wert hinzufügen“, wirkt auf mich wie eine Würdigung der eigenen Arbeit.

Meine Hoffnung ist, dass dieser Gedanke, zumindest einer Leser:in, die am Wert ihrer Arbeit zweifelt, einen anderen Blickwinkel eröffnet.


 

Empfinden

Nichts wagen oder
nichts zu sagen?
Nichts zu verlieren!
Alles riskieren.

Hörst du?
tonlos, lautlos
lieblos, grundlos

Leise, ohne Aufsehen
Menschen berühren
Fremdes und Bekanntes
resoniert im Gefühl

Gemeinsam empfinden
bedeutet verstehen.


 

Bildung und Bildungsideale

Zuletzt kreisen meine Gedanken immer wieder um einen Gedanken, bei dem mir die Urheber:in entfallen ist.

„Nur solches Wissen, das uns zu besseren Menschen macht, ist von Bedeutung.“

Auch im Humboldtschen Bildungsideal werden ähnliche Ideen formuliert. Dabei führt er die Vorstellung von „Weltbürgern“ an, die „so viel Welt, als möglich, in die eigene Person verwandeln“ sollen. Dies erreicht man nach Humboldt, durch eine Auseinandersetzung mit Fragen der Gerechtigkeit, mit dem Austausch der Kulturen und indem man sich um bessere Geschlechterverhältnisse und eine andere Beziehung zur Natur bemüht.

Für die Realisierung, sieht er die Unabhängigkeit der Universitäten von wirtschaftlichen und berufsbezogenen Interessen als Voraussetzung an. Das scheint seit der Bologna-Reform utopisch.

Auf jeden Fall lüften neue Erkenntnisse kurzzeitig den Schleier der Unwissenheit; während sie uns gleichermaßen bewusst machen, wie unterschiedlich Menschen und ihre Interessen sein können.


 

36 Fragen für intensive Beziehungen

Kann die Beziehung zwischen zwei Menschen (eigentlich Fremden) durch persönliche Fragen intensiviert werden? Diese Frage stellten sich Forscher:innen, um Arthur Aron.

„Sage deinem Partner, was du an ihm magst. Sei ehrlich und sage auch Dinge, die du einer Person, die du zum ersten Mal triffst, vielleicht sonst nicht sagen würdest.“

Meine Freundin Elli und ich, haben es im Selbstversuch ausprobiert.

Grundsätzlich fanden wir beide die Fragen sehr befruchtend. Sie führten unser Gespräch in ganz persönliche Höhen und Tiefen.
Und obwohl wir gestern etwas müde und abgelenkt waren, wurde es mit zunehmender Dauer immer intimer. Auch an den anderen Tagen unseres Gesprächs, bildeten die Fragen eine Art Portal, dass uns in eine andere Kommunikationswelt brachte.

„Der Tod welches Familienmitgliedes wäre für dich am schlimmsten? Warum?“

Wie diese Fragerunde zum Beispiel mit entfernteren Freund:innen funktioniert, steht auf einem anderen Blatt.
Wahrscheinlich wäre ihnen die Sensibilität der einzelnen Themen bewusst. Dies könnte zu gegenseitiger Rücksichtnahme führen und damit Freundschaftsbande (weiter) stärken.
Aber auch generell lässt der Austausch über die peinlichsten Momente, die größten Erfolge und die schönsten Momente, Freund:innen gemeinsam wachsen.

„Jeder von euch macht 3 wahre “Wir”-Aussagen. Zum Beispiel: “Wir sind beide in diesen Raum und fühlen uns…”

Den kompletten Fragenkatalog findest du hier.


 

Wie kleine Gesten unsere Beziehungen stärken

Im Volksmund heißt es: „Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft.“
Auch dazu, zählen alle Arten von freundlichen Gesten.

Gerade romantische (aber auch andere) Beziehungen können fragil sein. Deswegen sind kleine Angebote oder Aufmerksamkeiten so wichtig (außer wir wollen die Beziehung beenden, dann sollten wir unaufmerksam sein).

Das Besondere ist, welch bezaubernde Wirkung unsere Gesten, bei sehr kleinem Aufwand, haben können.
In der Wirtschaft spricht man vom ROI („Return of investment“). Das, was wir zurückbekommen, kann bei freundlichen Gesten leicht ein Vielfaches vom „Investment“ betragen.

Und das Beste ist: Die erzeugte Freude und Dankbarkeit verbreitet sich wie eine Welle.
Alle, die ein Hauch der kühlen Gischt abbekommen, fühlen sich belebt.


 

Asia Hung

Oh Asia Hung

alles, was ich am Bahnhof begehre
frisches Gemüse; ganz ohne Schwere.

Und bin ich gestresst oder will nichts versäumen
dann bringt mich die Rolle des Frühlings zum träumen.

Oh Asia Hung

deine Nudeln und Sauce
so reich und voll Glanz
ich rotiere die Gabel
sie bittet zum Tanz.

Doch eins ist mir heilig
so knusprig und heiß
der Tofu so seidig
gebettet ganz weich.

Was kann noch fehlen
grün und bald reif
Edamame zum Schälen
im salzigen Kleid.


 

Das Wunderbare am Schreiben

Während des Schreibens erkunde ich meine Gedanken und reflektiere über Dinge, die ich liebe.

Klarheit

Meine Gedanken gleichen einem dunklen, dicht bewachsenen Wald. Mit dem Schreiben bahne ich mir einen Weg hindurch. Und täglich werden die Wege etwas breiter und begehbarer.

Fokussierung

Durch eine Frage („Was war das Beste, das gestern passiert ist?“), lenke ich meine Gedanken vor dem Schreiben auf Positives. Wie Barbara Fredrickson in „Die Macht der guten Gefühle“ beschreibt, erweitern wir damit unser Denken. Dadurch erkennen wir Zusammenhänge, bilden Assoziationen und können kreativ werden.

Fazit

Das Schreiben verhilft mir zu einer besseren Sicht auf meine Gedanken. Diese schärft sich durch tägliche Wiederholung. Mit einer Form der positiven Reflektion erweitere ich meine Gedanken. Das eröffnet dem Gehirn neue Pfade, auf denen es kreativ werden kann.


 

Kontakt zu jedem Alter

Bei einer psychologischen Studie fanden Forscher:innen heraus, dass Menschen, die soziale Kontakte mit allen Altersgruppen aufwiesen, vermehrt positive Gefühle erfahren. Dieses Phänomen, habe ich sowohl bei angeregten Gesprächen mit älteren Menschen, als auch beim Spielen mit Kindern erlebt.

Gerade die Großeltern oder die freundliche alte Dame an der Kasse, freuen sich oft über einen kurzen Plausch. Zudem hegen wir meist enge Beziehungen zu Menschen mittleren Alters (18-65), z.B. durch die Arbeit oder die Ausbildung.

Wenn aber in der eigenen Familie niemand Kinder hat, ist der Kontakt zu ihnen oft eingeschränkt. Andere Formen der Kontaktaufnahme sind zudem problematisch.

Wer aber das Glück hat, von Menschen jeden Alters umgeben zu sein, kann sich glücklich schätzen (und wird sich tatsächlich besser fühlen).